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Diese Rede anlässlich eines historischen Stadtfestes schrieb ich im Auftrag einer Stadträtin aus Stolpen / Sächsische Schweiz:

Zum 333. Geburtstag von Gräfin Cosel

Liebe Gräfin Cosel, liebe Gäst',
wir feiern heute ein großes Fest.
Ich behaupte mal: nicht jedermann
den 333. Geburtstag erleben kann.
Und betrachte ich Sie aus der Nähe jetzt,
muss ich sagen: ich hätte Sie jünger geschätzt!
Sie wirken auf mich wie eine taufrische Maid
in einem 333 Jahre alten Kleid.

Wenn ich Ihr Leben so betrachte,
Leid und Kummer es Ihnen brachte.
Dabei fing alles so gut an,
es umwarb Sie ein bedeutender Mann:
Der König aus dem Sachsenland,
auch als „August der Starke“ bekannt.
Er machte Sie zu seiner Mätresse,
doch daran hatten Sie kein Interesse.
Heimlich gab er Ihnen schriftlich, er war ja schlau,
das Versprechen, er nähme Sie später zur Frau.

Jedoch, er hielt sich nicht daran,
fing noch andere Weibergeschichten an.
Außerdem hat ihn sehr irritiert,
dass Sie selbstbewusst und emanzipiert.
Frauen hatten damals zu kuschen bloß,
doch Ihr Einfluss am Königshof war groß.
Sie nahmen auch nie ein Blatt vor den Mund
und gaben stets Ihre Meinung kund.

Auch hatte sich August zum Ziel gesetzt:
ich will König von Polen werden jetzt.
Da heißt es auf Freiersfüßen gehen
und eine Polin ausersehen.
Seine Minister unterstützten den Plan,
die waren von Ihnen sowieso nicht angetan.
Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf,
man brachte sie auf die Burg Stolpen hinauf.
Dort sperrte man Sie einfach ein,
49 Jahre lang mussten Sie Gefangene sein.
Zwar haben Sie August den fiesen Starken überlebt,
doch ich bezweifle, dass das Ihre Stimmung hebt.

Soweit der traurige Blick zurück,
doch heute wollen wir ja feiern zum Glück.
Als Stadträtin wurde ich ausersehen
heute Nachmittag hier zu stehen.
Die Grüße des Stadtrats darf ich überbringen,
wünsche Ihrem Fest weiterhin gutes Gelingen.
Und ich habe, wie man das so macht,
natürlich auch ein Geschenk mitgebracht.
Liebe Gräfin Cosel, ich habe erfahren,
dass Sie früher eine Kräuter-Expertin waren.
So habe ich Kräuter und Blumen gepflückt
und hoffe, dass der Strauß Sie entzückt.

Die Zusammenstellung ist nicht einerlei,
ein wenig Symbolik ist auch dabei.
Lorbeer soll, so sagt man, vor allen Dingen,
Sieg und die Unsterblichkeit bringen.
Gegen Alterserscheinung wirkt Rosmarin,
und Beifuß führt den Liebsten zum Traualtar hin.
Wer weiß? Was nicht gelang hier auf Erden
kann damit im Jenseits vielleicht noch was werden!
Stellt sie ins Wasser, geschöpft aus dem Bach,
dann wird August der Starke bestimmt gleich schwach,
löst endlich sein Heiratsversprechen ein
und alle können glücklich sein.
Copyright © by Melitta Lohnes 2013-2017
Auszüge aus meinen Arbeiten - außer als "öffentliche Gedichte" gekennzeichnete Gedichte - sind nur nach schriftlicher Genehmigung gestattet.